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Schule ohne Noten: Briefe an Kinder berichten
vom Lernerfolg
Marburg. Die Zeugnisse zum Schuljahresende sind für
Kinder mit guten Noten ein schöner Moment. Andere Kinder
fürchten die Zeugnisse. Für viele Kinder ist Schule
geprägt durch den Druck, gute Noten erreichen zu müssen
- also besser sein zu müssen als die meisten ihrer
Freunde. Die Freie Schule Marburg zeigt, wie der Lernfortschritt
von Kindern individuell und ohne Konkurrenzdruck dargestellt
werden kann.
Einmal im Jahr, vor den Sommerferien, erhalten die Kinder
der Freien Schule Marburg Schuljahresberichte. In diesen
ausführlichen Briefen an das Kind schreiben Schulteamer,
was das Kind in diesem Jahr gelernt hat und was es sich
für das nächste Jahr vorgenommen hat. Zum Beispiel:
" Vor allem das Rechnen mit Geld hat Dich sehr interessiert.
Es fiel Dir leicht, mit Hilfe der Münzen und Scheine
auch mit hohen Zahlen zurechtzukommen." Die pädagogischen
Mitarbeiter stützen sich auf ihre Beobachtungen und
auf ein intensives Interview mit jedem Kind.
Das Kind und sein Können werden nicht bewertet, sondern
beschrieben. Vor allem werden die Kinder nicht mit anderen
Kindern verglichen. Ziffernzensuren stellen eine Besser-Schlechter-Rangfolge
der Schülerinnen und Schüler auf. Sie teilen den
Kindern nichts mit über ihre individuellen Forschritte,
sie behandeln ungleiche Kinder, als ob sie gleich wären.
"Im Schreiben hast Du dieses Schuljahr ebenfalls
große Fortschritte gemacht. Du kennst alle Buchstaben
und kannst sie aufschreiben. Es war sehr schön zu sehen,
wie Du tapfer das Schreiben geübt hast, obwohl es Dir
so schwer fällt, die vielen Rundungen der kleinen Buchstaben
umzusetzen. Oft hast Du mit Deinem Karteikasten und dem
Wörterbuch gearbeitet." So beschreibt ein
Schuljahresbericht der Freien Schule Marburg den Lernerfolg
eines Zweitklässlers. In eine Note lässt sich
der Satz nicht umsetzen. Für einen Zweitklässler
ist es vielleicht spät, alle Buchstaben schreiben zu
lernen - Sechs. Vielleicht lernt der Zweitklässler
genau so schnell oder langsam wie die anderen Kinder der
Gruppe - Drei. Er hat enorme Fortschritte gemacht - Eins.
Kinder an der Freien Schule Marburg wachsen frei von Zensuren
auf - von der ersten Klasse bis ans Ende des sechsten Schuljahrs.
Dadurch können die Kinder ohne Angst und ohne Konkurrenz
miteinander lernen. Kinder, die schnell lernen, können
sich einem Thema in aller Breite widmen, statt nur Tests
abzuhaken.
In der Freien Schule Marburg lernt jedes Kind in seinem
Tempo und auf seine Art. Manche Kinder lernen erst nur rechnen
und später lesen, andere beschäftigen sich am
Anfang nur mit Buchstaben, Wörtern und Büchern.
Auch deshalb ist es nicht möglich, mit Klassenarbeiten
den Lernerfolg zu kontrollieren. Wenn Kinder wissen wollen,
was sie können, teilen die pädagogischen Mitarbeiter
der Freien Schule ihnen mit, welche Lernfortschritte sie
gemacht haben und was es noch zu lernen gibt.
Die Eltern erfahren während Gruppen-Elternabenden und
Einzelgesprächen, wie es ihrem Kind in der Schule geht
und was es lernt. Sie müssen keine Klassenarbeiten
unterschreiben, um einen Leistungsstand zu erfahren.
Wechselt das Kind nach dem sechsten Schuljahr oder früher
auf eine weiterführende Schule, erhält die neue
Schule ebenfalls einen Bericht über die Entwicklung
und die Fähigkeiten des Kindes. Lehrer, Kinder und
Eltern einigen sich im Gespräch, welche Schulform oder
welchen Kurs der integrierten Gesamtschule das Kind besuchen
wird.
Die Schuljahresberichte der Freien Schule Marburg sind mehr
als eine Leistungsbeschreibung. Den Kindern helfen sie,
auf das vergangene Schuljahr zu schauen, weil im Bericht
Themen und Ereignisse beschrieben werden. Zum Beispiel "Du
hast Dich mit den Tausender-Kisten beschäftigt, mit
Peter und Mäxchen Häuser gebaut, die Steine in
Geld umgerechnet und dann verkauft" oder "Du
warst mit Feuereifer dabei, den Garten umzugestalten, und
ich hatte den Eindruck, dass dieses Projekt genau das ist,
was Du Dir schon lange gewünscht hast".
Im Schuljahresbericht stehen auch solche Sätze: "Die
Regeln unserer Schule sind Dir sehr wichtig und wenn sie
überschritten werden, hast Du Dich immer laut und deutlich
beschwert." Soziales Lernen und das Lernen der
Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen werden als
gleichwertig betrachtet. Und oft sind die Kinder beim Lesen
ihres Berichts überrascht, wie viel sie gelernt haben
und was es alles in der Schule zu tun gab.
Der Weg in die Schule ohne Noten führt meistens über
Kindertagesstätte der Freien Schule. Es gibt aber auch
Plätze für Schulanfänger und Grundschulwechsler.
Mehr Informationen im Internet (www.freie-schule-marburg.de)
oder beim Besuchertag am Donnerstag, 7. Juli, 14 Uhr, in
der Freien Schu-le Marburg, Anne-Frank-Straße 2, Marburg-Stadtwald
(Buslinie 8 bis Platz der Weißen Rose).
www.freie-schule-marburg.de
Ihr Ansprechpartner:
Stefan Diefenbach-Trommer presse
(at) freie-schule-marburg.de
Telefon 0 64 21/93 30 50
Fax 0 64 21/93 30 51
Oder:
Hans-Werner Seitz, Geschäftsführer
Telefon : 06421 / 35905
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