Freies Lernen

Lernen durch Freies Spielen

Schule darf keine Institution sein, der die Kinder ohnmächtig gegenüber stehen. Deshalb haben Mitbestimmung und Mitverantwortung der Kinder ihren festen Platz im Schulalltag.

An der Freien Schule Marburg ist das freie Spiel ein normaler Bestandteil des Schulalltags, mit dem viel Zeit zugebracht wird. Während des Freispiels kann das Kind Freude und Motivation spüren und sich engagiert mit einer Sache auseinandersetzen. Es erlebt die Kraft, ja: den Drang, dabei Schwierigkeiten zu meistern.

Lernen und Spielen sind kein Gegensatz, sondern bilden eine Synthese. Das Freispiel bietet die optimale Möglichkeit, Selbstständigkeit, Handlungsfähigkeit und soziale Kompetenz zu entwickeln und öffnet einen Raum zur Vergangenheits-, Gegenwarts-und Zukunftsbewältigung.

Die Freiheit, wichtige Angelegenheiten auszuhandeln

Schule frei für Fridays for Future

In der Freien Schule Marburg haben die Kinder die Möglichkeit und die Aufgabe, die ihnen wichtigen Anliegen mit anderen Kindern oder den Erwachsenen auszuhandeln. Die verschiedenen Besprechungen bieten Raum, Ideen einzubringen, Beschwerden zu äußern und Regeln auszuhandeln. Nebenbei erleben die Kinder und Erwachsenen die Wirksamkeit ihres eigenen Handelns.

Zu den regelmäßigen Foren gehören die morgendliche Besprechung in den jeweiligen Gruppen, sowie die wöchentlich stattfindenden Schul- bzw. Hausversammlungen. Je nach Bedarf können sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen Jungen- oder Mädchenbesprechungen einberufen. Die Teilnahme an den jeweiligen Besprechungen ist für die Kinder verpflichtend. Sie werden in der Regel von Kindern geleitet.

Aber nicht immer sind die Erwachsenen dabei, wenn wichtige Angelegenheiten diskutiert und beschlossen werden, denn die Kinder regeln viele Dinge unter sich. Wenn über eine Sache abgestimmt wird, gilt das Prinzip: Ein Mensch – eine Stimme! So erleben die Kinder die Vor- und Nachteile von Demokratie und lernen Zuhören, Positionen zu beziehen und Toleranz zu üben.

„Meine Meinung ist gefragt, sie ist notwendig und hat Einfluss – meine Wünsche werden ernst genommen – ich kann etwas verändern.“

Die bunte Vielfalt der schulischen Lernformen

Jedes Kind an der Freien Schule Marburg hat die Chance, eigene Lernwege zu entdecken.

Freiarbeit

Ein in Freiarbeit organisierter Unterricht ermöglicht es, dem individuellen Leistungsstand und Lernverhalten der Kinder gerecht zu werden. In der Freiarbeit entscheiden die Kinder selbstständig, woran sie arbeiten, ob sie alleine oder mit anderen zusammen arbeiten. Die Kinder übernehmen damit einen großen Teil der Verantwortung für ihr Lernen; die Erwachsenen stehen ihnen beratend zur Seite.

Freiarbeit erfordert von den Kindern ein hohes Maß an Selbstständigkeit, und fordert von den Erwachsenen, einen großen Teil der Verantwortung in die Hände der Kinder zu geben. Die Erwachsenen tragen dafür Sorge, dass sich die Kinder innerhalb dieser Freiheit sicher fühlen, indem sie Lernfortschritte dokumentieren, Anregungen und Hilfestellung geben sowie Materialien den individuellen Bedürfnissen anpassen.

Waldunterricht
Theaterprojekte

Lernen in Projekten

Im Gruppenprojekt ergänzen sich die individuellen Fähigkeiten und Neigungen der Kinder und entwickeln sich beim gemeinsamen Tun weiter. Durch fächerübergreifende Herangehensweise an den jeweiligen Gegenstand des Projekts können die Kinder Zusammenhänge erkennen und die Wirklichkeit in ihrer Komplexität erfahren. Künstlerische Darstellungen (Theater, Musik, Tanz, gegenständliches und bildliches Gestalten) können in Projekte integriert werden oder den Abschluss des Projekts bilden bzw. in eine Dokumentation/Vorführung oder Ausstellung münden.

Die Themen, die in den Projekten behandelt werden sollen, nennen die Kinder in den Gruppen-Besprechungen oder in der Schulversammlung – hier können auch Eltern Ideen mit einbringen. Bisweilen werden Themen auch von den TeamerInnen vorgeschlagen. Danach wird das Interesse der Kinder an den einzelnen Themen ermittelt. Die Themen, die von der Mehrheit der Kinder Zustimmung erhalten haben, werden schließlich bearbeitet.

Lernen mit Wochenplänen

Der Wochenplan ist eine weitere Variante des Lernens, der die Möglichkeit bietet, das Lernen selbst zu organisieren – entweder für einzelne Kinder oder je nach Umständen auch für die ganze Gruppe. Er wird gemeinsam von TeamerInnen und Kindern erstellt. Das Kind nimmt sich bestimmte Arbeiten für die Woche vor und die Erwachsenen ergänzen den Plan.

Die Kinder lernen unabhängig von den Pädagoglnnen ihre Arbeit zu kontrollieren und zielgerichtet zu handeln. Die Pädagoglnnen können sich weitgehend auf Hilfestellungen beschränken, wenn die Kinder Hilfe haben wollen. Am Ende der Woche besprechen die Kinder ihre Arbeitsergebnisse mit den Teamerlnnen.

FSM-Alternativschule
Kunstprojekt

Angeleitetes Lernen in Kursform

Neben der Möglichkeit, Lerninhalte selbständig zu entdecken, miteinander zu erarbeiten oder individuell zu üben, ist es immer wieder sinnvoll, bestimmte Lerninhalte in Form eines Lehrgangs zu erlernen. Dies ist vor allem dann sinnvoll, wenn es darum geht, Techniken oder Regeln zu vermitteln.

So können beispielsweise verschiedene Sportarten, Handarbeits- oder Werktechniken in von Erwachsenen geleiteten Kursen vermittelt oder der Umgang mit dem Computer systematisch geübt werden. In den Kulturtechniken kann ein Lehrgang sinnvoll sein, in dem die Kinder etwa die Schreibschrift oder das kleine Einmaleins erlernen. Lehrgänge dieser Art ermöglichen es den Kindern, systematisch neue Inhalte kennen zu lernen.

Verbindliches und freiwilliges Lernen

Im Schulbereich gibt es eine verbindliche Lernzeit, die so genannte Stammgruppenzeit‚ in der die Kinder die Kulturtechniken erlernen und üben. Sie bestimmen im Sinne der Freiarbeit zum größten Teil selbst, wann welcher Lerninhalt im Mittelpunkt stehen soll.

Die Teamerlnnen beraten die Kinder, erklären, organisieren und ergänzen die ausgewählten Lerninhalte. Neben diesem eher individuellen Lernen arbeiten die Kinder gemeinsam an selbst gewählten Projekten. Themen dafür werden in der Schulversammlung ausgesucht und per Abstimmung beschlossen. Die Erwachsenen organisieren und beraten auch hier nur so weit, wie die Kinder es noch nicht selbst können.

In der Stammgruppenzeit finden die Lernthemen Schreiben, Lesen, Rechnen und Englisch statt. Einen Großteil der Zeit nehmen auch Projekte ein, die jeweils von den Kindern gemeinsam ausgewählt und gemeinsam bearbeitet werden. In den Projekten soll also nicht das Lesen oder Schreiben im Mittelpunkt stehen, sondern idealerweise nebenher als Arbeitsmittel einfließen. An der Stammgruppenzeit müssen alle Kinder teilnehmen.

Eigenverantwortliches Lernen

Lernzeit

Eigenverantwortliches Lernen ist letztendlich ein grundlegendes Ziel, das die Kinder erreichen sollen. Wir gehen aber davon aus, dass Kinder das eigenverantwortliche Lernen nur dadurch lernen, dass sie es praktizieren. Dafür ist es wichtig, dass wir den Kindern Eigenverantwortlichkeit zutrauen und ihnen den Raum geben, mit ‚Lern’-gegenständen zu experimentieren. Das kann damit beginnen, dass Kinder sich aussuchen, welche Rechenaufgabe sie bearbeiten wollen, und kann bis zur Wahl von Projekten und deren eigenständiger Bearbeitung gehen. Auf diese Weise lernen die Kinder ihre eigenen Stärken und Schwächen aber auch ihr Tempo beim Lernen kennen und einschätzen.

Eigenverantwortliches Lernen ermöglicht es den Kindern, eigene Ziele zu verwirklichen sowie Selbstbestätigung, Unabhängigkeit und Anerkennung von anderen zu erleben. Je mehr positive Erfahrungen die Kinder mit der Übernahme von Verantwortung machen, desto eher werden sie ein Gefühl von Autonomie entwickeln können. Doch auch hier können Kinder überfordert sein. Darum wird jedes Kind individuell begleitet und ggf. unterstützt.